Einführung

März 7, 2009 at 6:41 pm (Allgemeines)

Dieser Blog befasst sich mit den von 1548 bis 1600 lebenden, italienischen Literaten, Poeten und Philosophen Giordano Bruno. Anhand seiner Person und einem seiner Hauptwerke „Über die Ursache, das Prinzip und das Eine“ soll den Leserinnen und Leser dieses Blogs eine einführende Darstellung der philosophischen Kontroversen über das Sein, die Materie, die Unendlichkeit, die Ursachen von materiellen Veränderungen, sowie einen Teil der peripatetischen Lehre, gegen die sich Bruno hauptsächlich wendete, näher gebracht werden.

Die Gründe für die Entstehung dieses Blogs ist der Leistungsnachweis für das Proseminar über Brunos Naturphilosophie an der Universität Göttingen. Ziel ist es, Brunos Naturlehre auf einer einfachen Art Menschen näher zu bringen.

Entgegen dem aristotelich-scholastischern[1] Glauben, welcher Brunos Zeit und geistige Welt dominierten, wendet er die Idee des spekulativen Materialismus mit Hilfe der so genannten kopernikanischen Wende entgegen. Die Bezeichnung „spekulativ“ wird deshalb gebraucht, weil die theoretische Kritik am feudalen Weltbild sich nicht auf wissenschaftlich wahren Erkenntnissen über die materielle Wirklichkeit fußen kann, bzw. die Antithese zum Feudalismus nicht eindeutig objektiv bewiesen werden kann. Diese Nicht-Möglichkeit ist jedoch nicht auf Brunos mangelnder Einsicht zurückzuführen, sondern sie ist (wie bei Galilei) auf eine nicht-wissenschaftliche Form der Argumentation angewiesen, da auf gegebenen Stand der Reproduktion, mangels technischer Rationalisierung und möglicher Naturaneignung der eindeutige Zugang zu einer wissenschaftlicher Erkenntnis und allgemeinen Gesetzmäßigkeiten von Natur und Gesellschaft nicht zurückzuführen ist.

Mit den sogenannten „monistischen Materialismus“ versuchte der aus Nola bei Neapel stammende Philosoph mit der in seiner Zeit und in der „abendländischen Tradition“ des Aristotelismus verankerten dualistischen und kathegorialer Seinsordnung zu brechen.

Er vertrat vielmehr die Ansicht der Unendlichkeit des Seins, also der Zeit und des Raumes sowie jeglicher materiellen Beschaffung. Die Substanz kann nicht strikt voneinander getrennt angesehen werden, da Alles ein Teil des ganzen Einen sei, weil jeder Teil denselben Ursprung, gleiches primäres Glied einer Kausalkette haben muss und sich nur in ihrer akzidentiellen* Hinsicht, in ihrer Art ihrer Beschaffenheit unterscheiden. Denn für den Nolaner[2] waren nicht die dualistischen[3] Gegensätze entscheidend, sondern ihr Zusammenfallen im Unendlichen. Dieses wird in der Weise verdeutlicht, dass es keinen Mittelpunkt des Universums, kein Gut, kein Böse, keine Transzendenz, keine Immanenz, keine Hölle, kein Jenseits, kein Teil unabhängig des Ganzen existieren kann, also nach Bruno, dass Gott überall ist.

Obwohl diese Form des Pantheismnus keinen Atheismus darstellen kann, wurde Bruno im Jahre 1600 von der christlichen Inquisition der Ketzerei angeklagt und zum Tode verurteilt. Da Bruno durch seine frühbürgerliche und monistische[4]Anschauung offensive Kritik an der feudalen Weltanschauung äußerte, macht er sich durch Reflexion der hegemonialen Denksysteme und seine poleminsierende Kritik daran besonders bei der christlichen Kirche, die in jener Zeit das geistige, kulturelle, politische, fast jegliches gesellschaftliche Leben dominierte, sehr unbeliebt. Die feudale Ideologie nutzt die dualistische Konzeption eines universalen geistigen Systems der Rechtfertigung für die Aufrechterhaltung dar gesellschaftlichen Herrschaft und Sicherung der gesellschaftlichen Herrschaft und Sicherung der feudalen und christlichen Vormachtstellung, sowie die Konservierung der Formation von Produktionsmittel und Produktionsmittelbesitzern, in Europa. Der Dualismus zeigt sich in den beiden Polen von irdischem Diesseits und tranzendentem Jenseits. Die durch die Religion betrachtete Wissenschaft, der Theologie, nivelliert den Widerspruch zwischen materieller irdischer Wirklichkeit und ideeller göttlicher Ausdrucksform. Die feudale Weltanschauung ist die universalisierte, zu einem Weltbild verallgemeinerten philosophischen Dualismus.

Besonders die in arbeitsteiliger Privat-und -Warnproduktion und liberalen frühbürgerlichen Stadtstaaten und Provinzen, an denen das wissenschaftliche und politische Leben ineinander greifen, entwickelten sich Ideen, welche das archaische Feudalsystem und die materielle Wirklichkeit nicht mehr als kompatibel zueinander empfanden.

Mit der Abwendung vom scholastischen Weltbild brach Bruno mit einer über 400 Jahre alten verwissenschaftlichen Tradition seiner Zeit und ermöglichte u. a. mit anderen Naturwissenschaftlern, wie Kopernikus und Gallilei, die Menschheitsgeschichte in die Bahnen eines wissenschaftlichen und mechanischen Materialismus und Naturphilosophie der Renaissance zu lenken.

Nach einer kurzen Darstellung der biografischen Daten von Giordano Bruno, soll vor allem im folgenden die Beziehung zwischen Dualismus und Monismus anhand der Repräsentanten Bruno und Aristoteles untersucht werden. Dazu werden im vorne herein die Verknüpfungen der Bruno´schen Theorie mit der stoischen Ontologie beschrieben, das ambivalente Verhältnis zwischen Bruno und der Scholastik verdeutlicht, sowie zu guter letzt der Frage nach Brunos Wirkkraft auf die Moderne und seine Aktualität nachgegangen.


[1] Die Scholastik ( ~ lat. Schule) war ein lateinischer Lehrbetrieb, wie er sich seit dem 9. Jahrhundert herausbildete. Der Begriff bezeichnet die mittelalterliche Wissenschaft, die den christlichen Glauben und die Unterordnung der Philosophie unter die Theologie als möglichst rationales Glaubenssystem begründet. (Def. Nach Ruffing, Reiner: „Einführungen in die Geschjichte der Philosophie“, Wilhelm Fink Verlag, Paderborn. 2007, S. 95)

[2] Selbstbezeichnung Brunos, da er aus Nola stammt

[3] Der Dualismus (lat. duo: zwei) ist in der Philosophie die These von der Existenz von zwei einander ausschließenden Arten von Entitäten, d. h. Erscheinungsformen. In der traditionellen Philosophie wird davon ausgegangen, dass es sich dabei um materielle und immaterielle Arten handelt. Der klassische philosophische Dualismus ist daher die ontologische These von der Existenz immaterieller Entitäten bzw. Substanzen. Dem Dualismus steht zum einen der Monismus und zum anderen der Pluralismus gegenüber.

[4] Der Monismus ist die philosophische oder metaphysische Position, wonach sich alle Vorgänge und Phänomene der Welt auf ein einziges Grundprinzip zurückführen lassen. Der Monismus bezieht damit die Gegenposition zum Dualismus und Pluralismus, die zwei oder viele Grundprinzipien annehmen. In der Religion stehen monistische Lehren oft dem Pantheismus oder dem Panentheismus nahe, der eine Gegenwart (Immanenz) des Göttlichen in allen Erscheinungen der Welt sieht.

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